„Wachszins“ für den heiligen Arnold

Tradition des Wachszins der Bürgewaldgemeinden für den Altar des hl. Arnolds in Arnoldsweiler

Wachszins (c) privat
Do 4. Jun 2020
Katholikenrat Düren

Am 03.06. machten sich ca. 60 Personen per Fahrrad von Buir aus auf den Weg nach Arnoldsweiler, um die Tradition des Wachszins der Bürgewaldgemeinden für den Altar des hl. Arnolds in Arnoldsweiler wieder aufzunehmen, die wohl älteste Form der Verehrung des Hl. Arnolds, der wohl um 800 in Ginizuuilere (= Ginizwilere = Ginnizweiler, später in Arnoldsweiler umbenannt), geboren wurde und wo er auch bestattet ist. Dazu aufgerufen hatten die Initiativen „Waldspaziergang Hambacher Wald“, „Kirche(n) im Dorf lassen“, „Alle Dörfer bleiben“, der Katholikenrat der Region Düren und das Institut für Theologie und Politik aus Münster.

Arnold gehörte als Sänger und Harfespieler zum engen Gefolgskreis um Karl den Großen. Eine Legende erzählt, dass Arnold die große Armut der Dorfbewohner kannte, die sich darüber beklagten, dass der Wald königliches Eigentum sei und sie deshalb unter Mangel an Brennholz litten, weil sie es nicht wagten, etwas vom Waldboden aufzuheben. Als Kaiser Karl eines Tages bei einer Jagd in den Wäldern in der Nähe von Düren rastete, um Gastmahl zu halten, bat Arnold darum, der Frankenherrscher möge ihm soviel von dem Wald schenken, wie er während der Dauer des Mahls umreiten würde. Der Wunsch wurde ihm gewährt. Der listige Arnold hatte sich zuvor in den umliegenden Dörfern frische Pferde bereitstellen lassen und vollbrachte es im Staffelritt, den gesamten Wald zu umrunden, noch bevor das Mahl vorüber war. Karl der Große war Arnold wohlgesinnt und war ihm nicht böse über die List, die seine großzügige Geberlaune reichlich ausnutzte. Er schenkte ihm einen Ring zum Zeugnis, dass der Wald fortan ihm gehöre.

Arnold verschenkte den Bürgewald weiter an die umliegenden Dörfer, wo er in der Folgezeit aus Dankbarkeit wie ein Heiliger verehrt wurde. Jahrhunderte lang konnte das Waldstück von den Bewohnern der angrenzenden Ortschaften genutzt werden. Der Bürgewald, oder Hambacher Wald blieb seit dem Mittelalter in der Hand der Dörfer und somit erhalten – bis er von RWE aufgekauft und inzwischen zu 90% gerodet und damit für die Braunkohleförderung unwiederbringlich zerstört wurde.

Die 20 von Arnold mit dem Holzrecht im Bürgewald beschenkten Gemeinden um Arnoldsweiler verzeichnet ein Dokument des Erzbischofs Gero von Köln von 973/976. Im Gegenzug für das Holzrecht ordnete Arnold der Überlieferung zufolge bei der Schenkung schon an, dass die Gemeinden jeweils am Pfingstfest ein jährliches Wachsopfer am Grab von Arnold darzubringenhätten. Der Jülicher Herzog Wilhelm I bestätigt erstmals in einer Urkunde vom 18. März 1360 schriftlich diesen Wachszins, was darauf schließen lässt, dass die Verpflichtung zu seiner Entrichtung schon wesentlich älter ist.

In der Urkunde werden die Orte zum Opfer von Kerzengrößen zwischen 1,5 u. 12 Pfund verpflichtet. Die Verpflichtung zum Wachszins behielt bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts seine Gültigkeit. Jedoch verweigerten damals immer mehr Gemeinden das Kerzenopfer. Dies mündete in den Wachsrentenprozess, der vor dem Königlichen Landgericht Aachen geführt wurde. Kläger war der Arnoldsweiler Kirchenvorstand. Ergebnis war, dass die betreffenden Gemeinden durch eine einmalige Geldzahlung an die Pfarre Arnoldsweiler vom Wachszins befreit wurden. Diese Ablösung erfolgte durch die beteiligten Orte nach und nach zwischen 1832 und 1840. Dennoch brachten auch danach noch einige Orte eine Kerze zu Pfingsten nach Arnoldsweiler.

Die Teilnehmer der Aktion vom Pfingstdienstag haben vor, im kommenden Jahr wieder mit Kerzen zum Arnoldusgrab zu kommen.

Ansprache von Irene Mörsch, Katholikenrat Düren

Der Katholikenrat der Region Düren war in der letzten Woche schnell bereit, sich am Wiederaufleben der alten Tradition des Wachszinses für die Arnolduskapelle hier in Arnoldsweiler zu beteiligen. Vom Heiligen Arnold und seiner Verbindung zum Hambacher oder Bürge-Wald haben wir soeben gehört.

Die Wachsspende fand immer am Dienstag nach Pfingsten statt, dem Fest des Heiligen Geistes. An Pfingsten wurde den Freundinnen und Freunden Jesu klar, dass mit Karfreitag nicht alles vorbei war, dass Ostern real ist; und der Geist hat sie ermutigt und befähigt, die Botschaft Jesu von der Liebe Gottes zu den Menschen zu verbreiten.

In der Apostelgeschichte und den Briefen des Neuen Testamentes ist die Rede von unterschiedlichen Gaben des Geistes, der Kraft zum Glauben gibt, Kraft zum Heilen – eine Kraft, auf die wir in der aktuellen Corona-Situation alle hoffen – und auch eine Kraft, die Arnold wohl in besonderer Weise hatte: Die Kraft, zu sehen, was in einer schwierigen Lage getan werden soll: Er fand ein Mittel, den Armen aus ihrer akuten Not zu helfen, indem er den Landesherren überlistete, von seinen Rechten abzugeben.

Die Parallele zur äußerst schwierigen und bedrohlichen Lage unserer Erde durch die fortschreitenden Klimaveränderungen liegt auf der Hand: Es sind die Geistesgaben Erkenntnis, Weisheit und Stärke nötig, um mutig für Veränderungen einzutreten.

Ich sehe noch eine andere Parallele zum Pfingstfest: Der Geist kam laut Apostelgeschichte in Form von Flammen auf die Freundinnen und Freunde Jesu. Der Wachszins wird gebracht in Form von Kerzen, die hier in der Kapelle brennen sollen.

Ich stelle mir und Ihnen und Euch allen die Frage: Wofür brennen wir?

Sind es unsere kleinen und großen Bequemlichkeiten?

Haben wir die Menschen um uns herum im Blick?

Oder gar die Nöte derer, die vor allem im Süden unserer Erde, die schon jetzt massiv unter dem Klimawandel leiden, viel mehr als wir hier, wo er ja auch schon deutlich spürbar ist?

Oder die Generationen nach uns, die genau wie wir ein Recht haben auf ein lebenswertes Leben auf dieser Erde?

Für mich war eine „zündende“ Erfahrung, die Enzyklika „Laudato Si“ von Papst Franziskus kennenzulernen, die vor fast genau 5 Jahren herauskam.

Abschließend möchte ich einige Sätze aus dieser Enzyklika zitieren:

Die Umwelt ist ein kollektives Gut, ein Erbe der gesamten Menschheit und eine Verantwortung für alle. (LS 95)

Eine nachhaltige Entwicklung erfordert eine Solidarität der Generationen. (LS159)

Vor allem die reichen Länder, die am stärksten die Umwelt verschmutzen, haben eine besondere Verantwortung. (LS 169)

Die Politik darf sich nicht der Wirtschaft unterwerfen. (LS 189)

Gehen wir singend voran! Mögen unsere Kämpfe und unsere Sorgen um unseren Planeten uns nicht die Freude und Hoffnung nehmen. (LS 244)