Schöpfungsverantwortung

Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 38/2018

Schöpfungsverantwortung (c) Dorothée Schenk
Mo 24. Sep 2018
Dorothée Schenk

Die Gründe sind vielfältig, warum Menschen sich dem ökumenischen Klima-Pilgerweg anschließen

40 Pilger aus Nord-, Süd- und Mitteldeutschland und sogar aus Frankreich sind gekommen, um am ökumenischen, grenzüberschreitenden Klima-Pilgerweg teilzunehmen, der an drei Tagen durch das Bistum Aachen führte.

Es ist ein Viel-Generationen-Projekt. Die Teilnehmer sind zwischen 23 und 76 Jahren alt und treten an, um von Bonn über Berlin nach Kattowitz zu ziehen, und auf die Einhaltung der Klimaziele aufmerksam zu machen. An diesem Tag sind sie von Düren nach Morschenich durch den Hambacher Wald nach Lich-Steinstraß unterwegs. Dorothée Schenk ist ein Stück des Weges mitgegangen und hat laufend einige Stimmen gesammelt – von Organisatoren, Gläubigen und Umweltengagierten.

Pfarrerin Martje Mechels, Regionalpfarrerin Nord vom Gemeindedienst für Mission und Ökumene (GMÖ) Niederrhein
Es ist wichtig, uns für die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen. Der Hambacher Wald gehört zu unserem Bereich, und es ist erschreckend, wie große Firmen aus wirtschaftlichem Interessen mit der Umwelt umgehen. Wir brauchen dringend ein Umdenken – politisch, aber auch in der Kirche. Unser Präses hat gesagt, dass es keine Rodung geben darf, bevor die Kommission entschieden hat. Da bin ich mit ihm einer Meinung. Da können wir nicht vorher Fakten schaffen. Es ist wichtig, aus der Braunkohle auszusteigen, um die Klimaziele zu erreichen. Und es dient nicht uns, es ist ein weltweites Ziel: Über das Klima sind wir alle miteinander verbunden.

Erika Thoren-Meierrieger, Lippe-Detmold
Ich bin im Moment richtig aufgewühlt. Ich bin 55 Jahre alt und komme aus der Landwirtschaft. Ich stehe aber heute hier für Kirche und ich erwarte, dass meine Kirche Position bezieht – deutlich! Ich habe in  Berlin einen Leserbrief geschrieben; dort bekommt man eine Titelseite. In Aachen habe ich vier Plakate gesehen mit der Aufschrift „Stoppt Braunkohle“. Ich habe nachgefragt. Sie haben es aufgehängt, aber haben alle gar keinen Bezug dazu. Wir reisen an für den Immerather Dom für die Mahnwache, für „Ende Gelände“ – aber deeskalierend. Denn wir stehen auch da und sagen: Wir weichen nicht. Es ist eine Gewissensfrage. Wir müssen es in unserem persönlichen Tun verankern.

Anke Reermann, missio-Diözesanreferentin
Der ganze Bereich Nachhaltigkeit und Klima ist in vielen Bereichen im Bistum verankert. Aber es gibt noch keine umfassende Strategie dazu im Referat Weltkirche, für das ich heute dabei bin. In anderen Ländern treten wir ein gegen Landgrabbing, gegen Umweltzerstörung und hier vor Ort haben wir wirklich große Herausforderungen. Es wird ganz außer Acht gelassen, was für Wunden, nicht nur bildliche durch das große Loch, sondern auch an Wunden bei den Menschen verursacht werden. Jetzt in dieser Endphase des Hambacher Forstes denke ich auch darüber nach: Wo beginnt Seelsorge? Seelsorge, wie es unser Papst sagt: An Mutter Erde und an den Menschen. Man könnte einen symbolischen Akt vollziehen, indem man sagt, der Bereich Hambacher Wald bleibt. Und wenn es als Mahnmal ist, als Erinnerung dessen, was hier passiert ist. Vielleicht könnte es irgendwann als Weltkulturerbe gelten.

Wolfgang Eber, Heidenheim
Ich bin schon 2015 und 2017 beim Pilgerweg mitgegangen, und es war ein eindrückliches Erlebnis, die Gespräche, die wir geführt haben, und die Begegnungen mit den Menschen. Diesmal gehe ich den Weg für mich, aber auch für Gerhard Bons (Ein Mitpilger, der plötzlich gestorben ist, Anm. d. Red). Es gibt keine Partei, die einen solchen dreimonatigen Pilgerweg organisieren könnte, keinen Bund für Umwelt und Naturschutz… Die Kirchen haben eine ganz wichtige Aufgabe, und ich bin dankbar, dass sie sich dieser Sache angenommen haben. Ich finde es wichtig, dass sich nicht alles ums Geld dreht, sondern auch um Geistliches.

Jazzy, Waldbesetzerin
Ich persönlich bin auch gläubig, ich komme gerade frisch aus Taizé, weil ich noch mal eine Auszeit brauchte, bevor es hier drunter und drüber geht. Es hat gut getan. Ich finde es superwichtig, dass Menschen, die gläubig sind, die kirchlich unterwegs sind, Gesicht zeigen, da sind und etwas tun. Vor allem, sich nicht immer zurückhalten mit der Aussage: „Wir sind Kirche. Das ist nicht unser Themengebiet.“ Das finde ich schade. Darum finde ich es gut, wenn Menschen etwas tun.

Katrin L. aus Frankreich
Dass es kirchlich verortet ist, damit kann ich mich abfinden. Es würde mich freuen, wenn es eine Bewegung geben würde, in der gesagt wird: „Wir gehen als normale Bürger mit".  Was ich schade finde, ist, dass keine Migranten dabei sind – auch sie braucht man in der Bewegung. Gerade sie sind betroffen. Wenn man sich wirklich engagieren will für die Umwelt, wird es politisch. Das ist ja die große Problematik – manche Kirchenträger wollen nichts damit zu tun haben, andere engagieren sich. Es ist wichtig, dass man sieht, dass auch normale Menschen dabei sind, solche, die sich kirchlich engagieren. Vielleicht sieht dann auch eine Oma: Meine Nachbarin ist dabei, vielleicht ist das doch nicht so schlecht.

Juliane Klengel, Koordinatorin Pilgerweg
Das Besondere finde ich, dass es ein dezidiert kirchliches Projekt ist. Dass Kirche sehr langsam ist, in den Strukturen nicht vorwärts geht, sehr konservativ ist, wissen wir. In diesem Projekt wird etwas angegangen, das in die Zukunft zeigt. Das ist nicht mehr Schöpfungsbewahrung, sondern Schöpfungsverantwortung. Von der Basis her macht sich die Kirche auf und sagt: „Wir wollen uns an der Gesellschaft beteiligen, bei uns selbst aber auch in der Kirche Veränderung hervorbringen.“

Dorothee und Horst Deitenbach, Bonn
Schöpfung bewahren geht alle was an, auch Christen.