'Forum Politik' - Düren

Mo 2. Nov 2015
Katholikenrat Düren
Im Jahr 2014 wurde im Rahmen der Ökumenearbeit in der Region Düren die Idee eines ökumenischen Projektes geboren, dessen Ziel es sein sollte, Angebote der Bildung mit aktuellem und regionalem Bezug zu planen und umzusetzen.

Es bestand von vornherein der Wunsch, dass über den kirchlichen Rahmen hinaus eine breite Kooperation geschaffen werden sollte. So haben sich bis heute mehrere aktive Gruppen zusammengeschlossen:

  • Die Evangelische Gemeinde zu Düren mit ihrer Familienbildungsstätte,
  • die evangelische Erwachsenenbildung im Kirchenkreis Jülich,
  • der Katholikenrat der Region Düren,
  • die Pfarre St. Lukas Düren, das Katholische Forum für Erwachsenen- und Familienbildung Düren-Eifel,
  • der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Düren,
  • die Gewerkschaft DGB.

Bisher fanden fünf Veranstaltungen statt, die heiße Eisen d.h. wichtige Zukunftsfragen mit großer Aktualität angepackt haben.

„Bergbau in der Schublade"

Der erste Abend am 18.9.2015 beschäftigte sich unter dem Thema „Bergbau in der Schublade" mit dem nicht zu verantwortenden Wegwerfen wertvoller Rohstoffe, die bis auf das letzte Gramm wiederverwendet werden müssten. Der Referent Dr. Spoo drückte es so aus: „Die Rohstoffgewinnung der Zukunft findet nicht unter Tage, sondern in den Produkten statt."
Was können wir dazu beitragen? Sollen/können wir alle gemeinsam ein neues Sammelsystem etablieren? Solche Impulse für weiterführende Aktionen liegen neben den Information und Diskussion auch im Blickfeld des „Forum Politik".

„TTIP –Freihandelsabkommen"

Ein sehr schwieriges und umstrittenes Thema, das auch globale Bedeutung hat, ist am 4. November 2014 mit dem Titel „TTIP –Freihandelsabkommen" aufgegriffen worden. Dr. Werner Rügemer behandelte in seinem Vortrag und der anschließenden Diskussion die Fragen „Was kommt auf uns zu?
Wachstum und neue Arbeitsplätze? Für Konzerne und Niedriglöhner?"

„Der Salafismus – Zurück zu den Wurzeln des Islams"

Der Vortrag am 29. Januar von Bacem Dziri, Dozent für islamische Theologie an der Universität Osnabrück, zu dem Thema „Der Salafismus – Zurück zu den Wurzeln des Islams" gab einen Einblick in die Entstehung, Lehre und den heutigen Einfluss des Salafismus in der islamischen Welt. Der Dozent trat für eine offenere Diskussionskultur unter Muslimen ein, damit größeres Vertrauen geschaffen würde. Heute sei der Salafismus, der ursprünglich eine Reformbe-wegung gewesen sei, „rückständig und extremistisch". Es komme deshalb darauf an, den Salafismus als eine Ideologie wahrzunehmen und nicht als das, was er nur vorgebe zu sein: eine islamisch-religiöse Position.
Dies deutlich zu machen, sei eine wichtige Präventionsaufgabe, dafür sei der wichtigste Ort die Schule, darüber hinaus natürlich der islamische Religions-unterricht und der Dialog zwischen Christen und Muslimen.

„In Würde sterben – Sterbehilfe erlauben oder nicht?"

Großen Zuspruch fand am 5. Mai die interdisziplinäre Podiumsdiskussion zum Thema „In Würde sterben – Sterbehilfe erlauben oder nicht?". Jeder Besucher fühlte sich wohl von der Problematik im Tiefsten angesprochen, was auch die rege Beteiligung des Publikums an der Diskussion ausdrückte.

„Energiewende regional – Ohne Kohle nix los?"

Eine sehr positive Resonanz fand auch das Thema „Energiewende regional – Ohne Kohle nix los?" worüber am 27. August 2015 in der St. Angela-Schule sehr engagiert, aber doch sachlich diskutiert wurde, wobei die Frage der Arbeitsplätze für die Belegschaft von RWE Generation ja eine sehr ernste ist.

Über die letzte Veranstaltung im Jahr 2015 ein ausführlicherer Bericht:


Experten diskutierten mit Bundestagsabgeordnetem Dietmar Nietan die Frage:

„Deutschland und die Türkei – wohin gehen wir?"

Dies ist ein höchst aktuelles Thema, auch wegen der zeitlichen Nähe zu den Parlamentswahlen in der Türkei am 1. November.

Pfarrer Dirk Siedler machte dies in der Ankündigung für die Veranstaltung deutlich: „In kaum einem Land Europas hat sich die politische Entwicklung in den letzten Monaten so oft verändert und geradezu überstürzt wie in der Türkei: Der Verlust der absoluten Regierungsmehrheit der AKP sowie der Erfolg der Kurdenpartei HDP bei den Parlamentswahlen im Juni, das Scheitern der Regierungsbildung im Anschluss, das erneute Aufflammen der Gewalt zwischen PKK und türkischem Staat. Dazu kommen seit geraumer Zeit besorgniserregende innenpolitische Entwicklungen, beispielsweise in der Frage der Pressefreiheit. Gleichzeitig ist die Türkei für Berlin und Brüssel ein unverzichtbarer Partner bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise und einer Stabilisierung im Nahen Osten."

Ziel des Abends sei, so formulierte Dr. Siedler, die komplexe politische Diskussion in der Türkei und ihre Hintergründe besser zu begreifen und schließlich Erwartungen an die deutsche Außenpolitik und die der EU zu formulieren. Das hochkarätige Podium wurde dieser Aufgabe in vollem Umfang gerecht.

Die Politikwissenschaftlerin Frau Dr. Gülistan Gürbey arbeitet an der Universität Berlin. Sie ist Kurdin und in der zweiten Generation als Professorin tätig. Ihre besondere Beschäftigung gilt dem Thema EU-Beitrittsprozess und der Friedensprozess mit der PKK.

Baha Güngör, der sich häufig in der Türkei aufhält, war bis vor kurzem Fachjournalist der Deutschen Welle.
Privatdozent Dr. Sefik Tagay ist Vorsitzender der Gesellschaft Ezidischer Akademiker. Er hat in einer sehr informativen Power-Point-Präsentation die Herkunft und das kulturelle und religiöse Leben der Eziden in der Türkei und im Irak dargestellt. Eine wichtige Rolle spielte dabei eine Rolle, ob die Eziden sich in der Türkei überhaupt zu Gehör bringen können und ob sie eine Überlebenschance haben. Ein Mitspracherecht haben sie in der HDP (Partei für die Kurden). Dies dient für viele Minderheiten ebenfalls als Motiv, HDP zu wählen.
Dieter Nietan, stellvertretendes Mitglied im Auswärtigen Ausschuss des Bundestages sowie Vorsitzender der Koordinierungsgruppe Türkei beim SPD-Parteivorstand brachte aus seiner langen Beobachtung der politischen Entwicklung in der Türkei detaillierte und klare Beurteilungen der gestellten Fragestellungen in die Diskussion ein.

Am 1. September 2015 fand eine Sitzung der Vertreter der verschiedenen Gruppierungen des „Forum Politik" zur Planung der weiteren Veranstaltungen im Jahr 2016 statt, eine weitere wird am 10. November folgen.

Drei Themen finden sich bereits in der Planung jeweils einer Gruppe:

  • „Gerechtigkeit" (DGB)
  • „Rüstungsexporte" (PAX Christi)
  • „TTIP" (Karl-Heinz Stockheim u.a..)