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Brief an Ministerin Scharrenbach:Appell zum Erhalt der Villa Buth Jülich-Kirchberg als überaus historischer Erinnerungsort

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Sehr geehrte Frau Ministerin Scharrenbach, der Katholikenrat der Region Düren appelliert nachdrücklich an Sie und Ihr Ministerium als oberste Denkmalbehörde des Landes Nordrhein-Westfalen:
Datum:
24. Aug. 2026
Von:
Irene Mörsch, Vorsitzende des Katholikenrates der Region Düren
Villa Buth (2018)
  • Schöpfen Sie alle Mittel des Denkmalrechts als oberste Denkmalbehörde unseres Landes aus, um einen Abriss der Villa Buth in Jülich-Kirchberg abzuwenden und den Verfall dieses überaus wertvollen Ortes der Denkmalpflege und der Erinnerungskultur in unserem Land zu stoppen.
  • Stellen Sie fachliche und finanzielle Mittel des Landes zur Verfügung, damit die akute Sicherung der Bausubstanz gewährleistet werden kann
  • Unterstützen Sie ein breit angelegtes Nutzungskonzept, um die Villa Buth als Ort der Erinnerungs- und Bildungsarbeit langfristig zu erhalten.

Die im Jahre 1893 erbaute Fabrikantenvilla ist aufgrund der bewegten Vergangenheit unseres Landes weit mehr als nur ein architektonisches Zeugnis.
Die Villa Buth ist eines der letzten physischen Zeugnisse einer der dunkelsten Abschnitte unserer Vergangenheit, der NS- Diktatur und der systematischen Verfolgung und Vernichtung der jüdischen Bevölkerung im Kreis Düren.
Zwischen 1941 und 1942 diente das Gebäude als zentrales Sammellager („Judenhaus“) für die jüdische Bevölkerung der Region, vor ihrer Deportation in die Konzentrations- und Vernichtungslager.

„Zukunft braucht Erinnerung“
Wir Menschen leben aus und durch Erinnerung. Unsere christliche Religion und christlich gesprägte Gesellschaft leben aus einer über 2000 Jahren alten Erinnerungskultur.

Diktatoren und Machthaber aller Couleur haben stets versucht, Unliebsames und nicht ins Herrschaftssystem passendes vergessen zu machen.
Es zeichnet doch gerade eine demokratisch, plurale und offene Gesellschaft aus, dass diesem Muster der Diktaturen nicht gefolgt wird.
Gerade heute ist es nötiger denn je, die demokratischen Werte zu stärken, auch indem man die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus wachhält.

Die derzeitige Politik setzt mit hohem Einsatz auf die Ankurbelung der Konjunktur und wirtschaftliches Wachstum. Kritische Auswirkungen dürfen dabei nicht übersehen oder übergangen werden.

Wir finden es nicht akzeptabel, wenn dieser rein ökonomischen Sichtweise auch die Villa Buth geopfert wird.
„Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, …“ (Mt 4,4)
Jesus bringt es – die Heilige Schrift der Juden zitierend – auf den Punkt.

 

Sehr geehrte Frau Ministerin Scharrenbach,
es ist schön, dass es inzwischen „virtuelle Informations- und Gedenkorte“ (z.B. https://www.zukunft-braucht-erinnerung.de/ ) gibt.
Zudem gibt es viele nachträglich errichtete Stelen, Gedenktafeln und andere „Ersatzorte“ aus Holz, Glas, Bronze, Stein oder anderen, z.T. kostbaren Materialien. Doch eins sollte klar sein: All das kann niemals authentische Geschichtsorte ersetzen.

Wer also in die Menschen und deren Zukunft investieren möchte, der sollte mit dazu beitragen, dass die Villa Buth nicht zerfällt oder abgerissen wird, sondern als lebendiger, authentischer Ort des Erinnerns erhalten bleibt und dort Bildungsarbeit möglich wird. Es gibt inzwischen Ideen für nachhaltige Nutzungskonzepte. Diese gilt es zu unterstützen.

Ein afrikanisches Sprichwort sagt:
„Es gibt auf Erden drei Diebe:
Der eine ist die Antwort: Ich weiß es nicht!
Der andere die Antwort: Ich bin es nicht!
Der Dritte ist die Antwort: Das geht mich nichts an!“

Herzlich bedanken wir uns für Ihre Aufmerksamkeit und bitten Sie um eine kurze Rückmeldung zur aktuellen Einschätzung Ihres Ministeriums bezüglich dieses einzigartigen Denkmals.
Mit freundlichem Gruß
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Irene Mörsch
Vorsitzende des Katholikenrates der Region Düren